Im Räderwerk
*Trainieren, für die Klassenarbeit lernen oder Freunde treffen?* Im Fokus dieser Arbeit stehen solche und ähnlich gelagerte innere Konflikte im Alltag jugendlicher Leistungssportler*innen. Derartige Konflikte treten in der sensiblen Entwicklungsphase des Jugendalters besonders häufig und intensiv zutage. Da jugendliche Leistungssportler*innen im Alltag neben den Anforderungen und Einflüssen aus den ohnehin potenziell konfligierenden Bereichen Schule und Freizeit auch noch jene aus dem Bereich des Leistungssports koordinieren müssen, liegt die Vermutung nahe, dass bei dieser Bezugsgruppe durch die zusätzlichen Handlungsoptionen und -verpflichtungen durch den Sport häufiger und vielfältigere innere Konflikte auftreten. Dies könnte langfristig die individuelle Entwicklung einerseits aber auch die schulische und sportliche Karriere anderseits negativ beeinflussen. Im Rahmen der Arbeit wird ein Modell zu alltäglichen Inneren Konflikten bei jugendlichen Leistungssportler*innen entworfen. Eine darauf basierende empirische Studie liefert eine erste Bestandsaufnahme zur Thematik. Neben gewonnen Hinweisen zu Häufigkeit und Intensität alltäglich erlebter Konflikte und deren Auswirkungen auf Handlungsverlauf und Individuum sowie potenzieller Einflüsse von Schule-Sport-Verbundsystemen auf das Erleben innerer Konflikte, enthält diese Arbeit eine Maßnahmenempfehlung, die Methoden an die Hand gibt, um Jugendliche im Umgang mit inneren Konflikten zu unterstützen. Autorin Kathrin Weiß ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sportwissenschaft der Universität Augsburg tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Motivations-/Volitionsforschung, Leistungssport und Gesundheitsförderung.
GeH Mit! Gesundheitskompetenzentwicklung für HochschulMitarbeiter*innen durch Yoga
Interventionsprogramme der Gesundheitsförderung führen oftmals nicht zu langfristigen Veränderungen. Ein Grund dafür ist die sogenannte Intentions-Verhaltens-Lücke. Um diese Lücke schrittweise zu schließen, rückt das Konzept der Gesundheitskompetenz als Ressource für Empowerment und Selbstbestimmung verstärkt in den Fokus der Gesundheitsforschung. An diese Entwicklung knüpft die vorliegende Arbeit an, welche die zweijährige, quasi-experimentelle GeH Mit!-Studie »Gesundheitsförderung für HochschulMitarbeiter*innen durch Yoga« dokumentiert. Im Rahmen der Studie wurden die langfristigen Einflüsse eines theoriegeleiteten, evidenzbasierten und standardisierten Interventionsprogramms auf Gesundheit und Gesundheitskompetenz von Hochschulmitarbeiter*innen untersucht. Für die theoretische Modellierung einer salutogenetischen, alltagsnahen Gesundheitskompetenzentwicklung wurde dabei eine Public-Health-Perspektive auf Gesundheitskompetenz gewählt, angereichert einerseits um ein bildungswissenschaftlich geprägtes Kompetenzverständnis und andererseits um psychologische Überlegungen zu gelingender langfristiger Verhaltensänderung. Lena Krolls Abhandlung liefert greifbare Hinweise, an welchen Stellschrauben für eine nachhaltige Gesundheitskompetenzförderung angesetzt werden sollte und legt theoriegeleitet und evidenzbasiert Möglichkeiten der konkreten Anbahnung von langfristigen Veränderungen vor.AutorinLena Kroll ist als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Sportwissenschaft der Universität Augsburg tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Gesundheitskompetenzentwicklung, Verhaltensänderung sowie Wirkungen von Achtsamkeitsverfahren und Yoga.
Sportbezogene Gesundheitskompetenz: Kompetenzmodellierung u. Testentwicklung für den Sportunterricht
Im Zuge der Diskussion um Bildungsstandards und Outputorientierung sollen die im Sportunterricht vermittelten Kompetenzen theoretisch begründet und empirisch überprüft werden. In diesem Buch werden vor dem Hintergrund eines Erziehenden Sportunterrichts gesundheitsbezogene Kompetenzen in einem Strukturmodell fundiert und ein Testinstrument für die empirische Erfassung entwickelt. Die theoretische Ableitung basiert auf drei Konstrukten: sport- und bewegungskulturelle Kompetenz, gesundheitsbezogene Handlungsfähigkeit und allgemeine Gesundheitskompetenz. Diese drei Zugänge münden in dem theoretischen Modellentwurf zur sportbezogenen Gesundheitskompetenz (SGK). Das Modell besteht aus den drei Dimensionen Kompetenzbereiche, gesundheitsbezogene Themenfelder und Anforderungsniveaus. Darauf aufbauend wurden in einem mehrstufigen Verfahren offene und geschlossene Testaufgaben entwickelt, Pretests mit Schülern durchgeführt sowie Experten (Sportlehrkräfte, Sportstudierende und Sportwissenschaftler) befragt. Nach Abschluss der Hauptuntersuchungen konnte ein raschskaliertes Testinstrument für die Klassenstufen 7 bis 10 erstellt werden. Kompetenzmodell und Testinstrument bieten erweiterte Möglichkeiten zur gezielten Gestaltung und Erfassung von gesundheitsbezogenen Lernprozessen im Sportunterricht.Dieses Buch ist auch als E-Book erhältlich.AutorClemens Töpfer (geb. 1982) ist als Postdoc an der FAU Erlangen-Nürnberg im Arbeitsbereich Bildung im Sport tätig und ist dort Projektkoordinator im BMBF-Projekt Health.eduPLUS (2018-2021). Seine Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere in der Kompetenzorientierung und Gesundheitsförderung im Sportunterricht.
Eine Interventionsstudie zum Thema Gesundheit im Sportunterricht
Die Interventionsstudie zum Thema Gesundheit fokussiert zwei Phänomene: (1) Das didaktische Lehrkrafthandeln ist wichtiger Einflussfaktor für Schüler/innenlernen. (2) Aus der Schulforschung ist bekannt, dass Top-Down-Maßnahmen häufig nicht nachhaltig wirksam sind. Daher ist Ziel der Studie, didaktisches Lehrkrafthandeln mittels partizipativem Interventionsansatz im Sinne des sportdidaktischen Anspruchs zu verändern und so die sportbezogene Gesundheitskompetenz der Schüler/innen zu verbessern.Die einjährige Intervention bestand aus einer kooperativen Planung, bei der verschiedene Stakeholder (u. a. Sportlehrkräfte, Schüler/innen, Wissenschaftler/innen) Gesundheitsmaßnahmen für den Sportunterricht konzipierten und umsetzten. Die Evaluation verfolgt einen Mixed-Methods-Ansatz. Planungsprotokolle sowie Interviews und Videobeobachtungen von acht Lehrkräften (Pre-Post-Test-Design) wurden qualitativ inhaltsanalytisch ausgewertet, während die sportbezogene Gesundheitskompetenz der Schüler/innen (n = 233) mit standardisiertem Fragebogen in einem Pre-Post-Test-Design quantitativ erfasst wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass diejenigen Schüler/innen hinsichtlich der sportbezogenen Gesundheitskompetenz am meisten profitieren, die auf der einen Seite Lehrkräfte haben, die in der Lage sind, im Sportunterricht kompetenzorientierte Lehr-Lern-Situationen zu arrangieren und ein ganzheitliches, salutogenetisches und integratives Gesundheitsverständnis aufweisen und auf der anderen Seite eine Schule besuchen, in der ein partizipativer Planungsprozess aufgrund von Rahmenbedingungen umsetzbar ist.Die Ergebnisse bestätigen damit bisherige Befunde zur Bedeutung der Lehrkraftrolle für das Schüler/innenlernen und zeigen das Potential partizipativer Ansätze im Schulsetting.AutorinKatharina Ptack (geb. 1989) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl »Sozial- und Gesundheitswissenschaften des Sports« der Universität Bayreuth. Neben der Lehre zu sportpädagogischen und gesundheitswissenschaftlichen Themen beschäftigt sie sich in diesem Rahmen v. a. mit empirischer Schulsportforschung mit dem Schwerpunkt auf dem Thema Gesundheit.
Konstruktionen des (Im-)Perfekten
An der Schnittstelle zwischen Sport- und Behindertenpädagogik skizziert die Arbeit Ansätze einer behindertenpädagogisch und kulturanthropologisch fundierten Theorie einer inklusiven Fachdidaktik Sport. Ausgangspunkt der Argumentation ist dabei, dass die Sportpädagogik – wie andere Anwendungs- und Handlungswissenschaften auch – vielfach mit impliziten, gesellschaftlich vorformatierten Normvorstellungen wie etwa medial kolportierten Schönheits- und Fitnessideale hantiert. Gleichzeitig ist sie auch mit verborgenen (kultur-)anthropologischen Normvorstellungen konfrontiert. Behinderung wird dabei sowohl bildungstheoretisch als auch fachdidaktisch üblicherweise ignoriert.So erscheint es auf dem Weg zu einer inklusiven Fachdidaktik notwendig, immanente Strukturen zunächst auf ihr inklusives bzw. exklusives Potential hin zu analysieren, um diskriminierende Strukturen in fachimmanenten theoretischen Modellierungen zu reflektieren und ggf. zu dekonstruieren. Als theoretisch explorative Studie findet dazu ein inter- bzw. transdisziplinärer Forschungsansatz Anwendung, der sich analytischer, texthermeneutischer Verfahren bedient, um auf der Folie der Disability Studies sowie des Ableismus immanente Inklusionshemmnisse zu dekonstruieren. AutorPD Dr. Martin Giese arbeitet an der Deutschen Blindenstudienanstalt und ist Privatdozent in der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Promotion in der Sport- und Bewegungs-pädagogik und Habilitation in der Behindertenpädagogik.
Nonverbal Behaviour and Person Perception in (Team)Sports
Inwieweit wirkt sich Körpersprache bzw. nonverbales Verhalten (NVV) auf interpersonaler Ebene im Sportkontext aus? – Dieser Frage wird in dieser Arbeit nachgegangen. Dabei liegt der Fokus auf der Untersuchung des Einflusses von NVV (Dominanz und Unterwürfigkeit) auf die Erfolgszuversicht und die objektive Leistung von Mitspielerinnen und Mitspielern und Gegenspielerinnen und Gegenspielern sowohl im Labor als auch im Feld.Zur Beantwortung der Fragestellung wurde zunächst mit einer explorativen Fragebogenstudie die Relevanz von NVV im Mannschaftssport erhoben. In den anschließenden Hauptstudien wurde in einer dreiteiligen und einer zweiteiligen experimentellen Laborstudie die Bedeutung von NVV erfasst, wenn neben NVV weitere leistungsbezogene Informationen zur Verfügung stehen. Dabei zeigte sich, dass der Einfluss von NVV unabhängig von der Hinzunahme weiterer leistungsbezogener Informationen sehr groß bleibt. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurde erstmalig in der Forschung mittels einer experimentellen Feldstudie, in welcher im Rahmen eines Elfmeterschießens das NVV der Torhüter manipuliert wurde, getestet, ob sich die hohe interpersonale Bedeutung von NVV auch in einem realen Setting bestätigen lässt. Entsprechend bisheriger Forschung ließ sich dabei der Einfluss von NVV auf die subjektive Einschätzung der Fähigkeit der Torhüter durch die Schützen nachweisen, allerdings nicht der Einfluss auf die objektive Leistung der Schützen.Mit den durchgeführten Studien leistet diese Arbeit damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Auswirkungen von NVV im Sportkontext. AutorinDr. Kirstin Seiler (1989) ist seit 2015 als Assistentin am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern im Bereich der Sportpsychologie tätig. Zuvor studierte sie von 2009-2014 Psychologie an der Universität Heidelberg mit den Schwerpunkten Organisationsverhalten und Adaptive Kognition (Masterstudium). Ihre Forschungsschwerpunkte sind nonverbales Verhalten und persönliche Wahrnehmung. In der Lehre arbeitet sie im Bereich der Gruppenkognition und der angewandten Sportpsychologie.
Effects of Aerobic Exercise Training on Stress Reactivity in Every-day Life
Prolonged stress exposure is associated with cardiovascular disease, depression, anxiety, back pain, poor immune system, obesity and metabolic syndrome. Due to the health-enhancing effects of regular exercise, it is suggested that regular exercise buffers the deleterious effects of psychological stressors by reduced physiological and emotional stress reactivity. However, previous studies only partly support the assumption that regular exercise can reduce physiological and emotional stress reactivity. Most of these previous studies used between-subject designs and artificial stressors, and did not consider the habitual physical activity level of participants. Thus, the current thesis investigated the effects of a 20-week aerobic exercise training (AET) on physiological and emotional responses to real-life stress using a randomized controlled trial and an inactive sample. To assess participants’ physiological and psychological responses during every-day life, ambulatory assessment was used. The main part of the thesis consists of the following three articles, published in peer reviewed international journals: The activity-affect association in inactive peopleThis publication analyzes whether the feel-better effect of unstructured physical activity observed in previous studies can be confirmed during every-day life in sedentary people. Regular exercise and emotional stress reactivityThis publicationreports on the effects of the randomized controlled trial on emotional responses to real-life stress. Regular exercise and physiological stress reactivityThis publication reports on the effects of the randomized controlled trial on physiological stress responses during real-life stress. Die Autorin Since March 2016, Dr. Birte von Haaren-Mack (born 1984) has been a research assistant and postdoctoral lecturer at the Institute of Psychology (Department of Health & Social Psychology) of the German Sports University Cologne. Her research focuses on physical activity and stress in every-day life, ambulatory assessment (methodological). Her teaching focuses on assessment of stress and physical activity, scientific working.
Screeningverfahren in der Bewegungsförderung
Eine motorische Entwicklungsstörung sollte möglichst früh entdeckt und behandelt werden um langfristige negative Folgen für das Kind zu vermeiden. Das hier vorgestellte Screening TUG 4-6 kann schnell und einfach Aussagen über die Mobilität von Kindern zwischen vier und sechs Jahren machen. Es basiert auf der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Gesundheit und Behinderung der Weltgesundheitsorganisation und ermöglicht so die Kommunikation in einer gemeinsamen Sprache zwischen Erziehern/Lehrern, Übungsleitern, Kinderärzten, Therapeuten und Sportwissenschaftlern. Der TUG 4-6 wurde anhand von etwa 600 Kindern validiert und verfügt in hohem Maße über die für Testverfahren geforderten Haupt- und Nebengütekriterien und über die speziell für Screenings geforderte diagnostische Güte und hohe Ökonomie. AutorinAndrea Dincher (1978) ist seit April 2019 als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Sportwissenschaftlichen Institut (SWI) der Universität des Saarlandes tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der Entwicklung der Motorik und deren Förderung in der frühen Kindheit sowie in der Bewegungstherapie bei neurologischen Erkrankungen.
Wie Jugendliche mit psychischen Störungen Sport erleben
Die Untersuchung beschäftigt sich mit der subjektiven Perspektive Jugendlicher mit einer attestierten psychischen Störung und folgt dem Ziel, ihr Erleben von Sport zu rekonstruieren. Ausgehend der Annahme, dass Sport im Leben dieser besonderen Gruppe eine different bedeutungsaufgeladene Rolle spielt – u. a. als Schulfach, als juveniler Lebensstil, als gesellschaftlicher Leitwert oder auch als Medium der Therapie – werden ihre Erfahrungen, Einstellungen und Sinngebungen des Sports beleuchtet. In der qualitativ angelegten Studie wird dem Phänomen »psychische Störungen« ein sozialkonstruktivistisches Gegenstandsverständnis zugrunde gelegt. Vierzehn Jugendliche, die sich in einer rehabilitativen Einrichtung für psychische Störungen befinden, werden mittels qualitativer Leitfadeninterviews befragt. Von den Befragten kommunizierte Herausforderungs- und Problemsituationen werden dabei hinsichtlich konstitutiver bzw. normativer Bedingungen des Sports analysiert. Dadurch werden, über das besondere Erleben der Befragten hinaus, auch die vielfältigen psychosozialen Voraussetzungen sichtbar, die der Sport an seine Akteure stellt – wie beispielsweise Körperexponierungen und -berührungen, Anstrengungsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit oder Umgang mit expressiver Emotionalität. AutorinNicola Böhlke (1982) ist als Post-Doc-Mitarbeiterin am Institut für Sportwissenschaft und Bewegungspädagogik der Technischen Universität Braunschweig beschäftigt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Diversität im (Schul-)Sport, Sport und Geschlecht, Psychomotorik, Schüler/innenperspektive im Sportunterricht sowie Qualitative Forschungsmethoden. In der Lehre ist Nicola Böhlke sowohl in der Theorie der Sportpädagogik als auch in der Theorie und Praxis verschiedener Lern- und Erfahrungsfelder des Sports (u. a. Schwimmen, Tauchen, Wasserspringen) tätig.
Das "Attention-Window-Modell"
Nicht nur im Sport, sondern auch in vielen alltäglichen Situationen wie zum Beispiel im Straßenverkehr, besteht häufig die Notwendigkeit, zwei Objekte gleichzeitig wahr-zunehmen. Durch die Entwicklung eines neuen Aufmerksamkeits-Paradigmas ist es möglich, die Größe und Form des visuellen Aufmerksamkeitsfokus von Personen zu quantifizieren. In der hier vorliegenden Arbeit wird in 13 Studien unter Anwendung des neuen Paradigmas deutlich, dass die maximal erzielbare Größe des visuellen Aufmerksamkeitsfokus einer Person verschiedenen Einflussfaktoren unterliegt, wie dem Alter, der sportlichen Expertise, dem Blickverhalten und emotionalen sowie von der aktuellen Motivation beeinflussten Prozessen. Unabhängig von den verschiedenen Einflussfaktoren präsentiert sich der Aufmerksamkeitsfokus über alle Studien hinweg in der Form einer Ellipse. Der Befund, dass das Gesichtsfeld über ein Fünftel mal so groß ist wie der maximale Aufmerksamkeitsfokus, deutet darauf hin, dass insbesondere größere Winkel-Erstreckungen zwischen Objekten den maximalen Aufmerksamkeitsfokus überschreiten. Die Ergebnisse der Arbeit werden in einem neuen Aufmerksamkeits-Modell, dem Attention-Window-Modell, zusammengefasst. AutorinStefanie Hüttermann (1985) ist Juniorprofessorin für Aufmerksamkeitsforschung in den Sportspielen am Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik und Leiterin der Abteilung Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Leistungssportliches Engagement und Risikoverhalten im Jugendalter
Das Jugendalter markiert für viele junge Menschen den Einstieg in eine Phase des Experimentierens mit Drogen und anderen Substanzen. In keinem anderen Lebensabschnitt spielt substanzkonsumbezogenes Risikoverhalten eine größere Rolle. Dem Sport wird einerseits nachgesagt, er sei ein geeignetes Setting und Instrument zur Prävention risikoreichen Substanzkonsums. Andererseits wecken Phänomene wie Doping erhebliche Zweifel an den protektiven und präventiven Potenzialen des Sports. Diese Ambivalenz wird in der vorliegenden Studie aufgegriffen und theoriegeleitet empirisch erforscht. Die Untersuchung verfolgt zwei Ziele. Das erste Ziel besteht darin, ein facettenreiches Bild zum Substanzkonsum von jugendlichen Leistungssportlern zu gewinnen, in dem auch risikoreiche und komplexe Konsummuster sichtbar sind. Dazu werden u. a. Fragen nach der Verbreitung und dem Ausmaß des Konsums verschiedener Drogen, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel untersucht. Darüber hinaus zielt die Untersuchung darauf ab, das Beziehungsgeflecht zwischen dem leistungssportlichen Engagement und dem substanzkonsumbezogenen Risikoverhalten auszuleuchten. Dabei stützt sie sich auf ein sozialisationstheoretisches Rahmenmodell mit Anleihen aus der Soziologie und Psychologie sowie mit engen Bezügen zur Sozialisations-, Stress- und Selbstkonzeptforschung. AutorJeffrey Sallen studierte Sport- und Erziehungswissenschaft an der Universität Leipzig und promovierte an der Universität Hamburg. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Leistungssport von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Aus einer sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Perspektive heraus befasst er sich mit pädagogisch und psychologisch relevanten Fragen zu folgenden Themenbereichen: Chronische Belastungen und psychosoziale Ressourcen von Athleten, Stress-Resistenz-Trainings für Athleten, Duale Karriere, Schule-Leistungssport-Verbundsysteme, Pädagogische Qualität von Training, Trainer-Athlet-Beziehung sowie Gesundheits-/Risikoverhalten von Athleten.
Bindung von Kindern im Leistungssport
Der Beziehungsqualität zwischen Trainer und Athlet wird für das Kindes- und frühe Jugendalter im Leistungssport besonderes Gewicht beigemessen. Der Trainer kann für die Athleten die Rolle einer Bindungsfigur auf Zeit einnehmen. Der damit in Zusammenhang stehende »secure-base-effect«, also die Regulierung des Sicherheitsgefühls und die Unterstützung bei der Aufgabenbewältigung sind im sportwissenschaftlichen Kontext bislang noch unzureichend aufgeklärt. Die hier vorliegende Arbeit ist im Rahmen von zwei bundesweiten Studien von Kindern im Leistungssport entstanden. Die Forschungsfragen wurden anhand einer Stichprobe von N = 47 leistungssportlich aktiven Athleten im Alter von sieben bis elf Jahren mit verschiedenen methodischen Erhebungs- und Analyseformen bearbeitet (u. a. Geschichtenergänzungsverfahren zur Bindung, standardisierter Fragebogen). Ziel der Arbeit war die Analyse der Zusammenhänge zwischen Beziehungsqualitätsmaßen und Maßen aus den ergänzenden theoretischen Bausteinen (Selbstkonzept, soziale Unterstützung, pädagogisches Arbeitsbündnis und Bewältigungsstrategien). Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Beziehungsqualität zum Trainer als sekundärer Bezugspersonen im Leistungssport von Kindern. AutorinDr. Almut Krapf (1980) ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Sportpsychologie und Sportpädagogik der Universität Leipzig und beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit sportpädagogischen Fragen und Inhalten sowie qualitativen Forschungsmethoden in Bachelor- und Masterstudiengängen. Neben ihrer Tätigkeit an der Sportwissenschaftlichen Fakultät arbeitet sie als Sportlehrerin und Rückenschullehrerin in verschiedenen Freizeit und Gesundheitssporteinrichtungen im Kinder- und Erwachsenenbereich.
Die motorische Entwicklung von Grundschulkindern
Die motorische Entwicklung im Kindesalter stellt ein zentrales Thema der sportwissenschaftlichen Forschung dar und findet in Bezug auf die verbreitete These des Rückgangs der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen im historischen Trend seit mehreren Jahrzehnten auch öffentliche Beachtung. Der Kenntnisstand über die Beeinflussung der motorischen Ontogenese durch die Merkmale der sozialen Lebens- und Bewegungswelt im Kindesalter ist jedoch lückenhaft. Es mangelt an Studien, welche die Kausalitäten der motorischen Entwicklung, z. B. die Einflüsse des Schulsports oder des Medienkonsums, erforschen. Basierend auf Paul B. Baltes‘ Konzeption der Lebensspannenpsychologie und eines hierarchisch strukturierten Längsschnittdatensatzes trägt die vorliegende empirische Arbeit dazu bei, diese Forschungslücken zu schließen. Untersucht wird, welche Wechselwirkungen zwischen den als entwicklungsrelevant betrachteten Faktoren der sozialen Lebens- und Bewegungswelt bestehen und welche Einflüsse die sozioökologischen, soziodemographischen und schulischen Faktoren auf die motorische Entwicklung im Kindesalter besitzen. Ausgehend von einer Reihe überraschender, dem Forschungsstand widersprechender Ergebnisse werden potentielle Auswirkungen der Studienbefunde u. a. auf die Gestaltung des Schulsports diskutiert. AutorDr. Daniel Wirszing, Jahrgang 1977, studierte Sportwissenschaften und Mathematik auf Lehramt Grund- und Mittelstufe an der Universität Hamburg. Im Anschluss an sein Studium promovierte er im Rahmen des Stipendienprogramms der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Aktuell ist Daniel Wirszing Sportfachreferent der Hamburger Schulbehörde, arbeitet als Sportlehrer, Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg und Referent in der Lehrerfortbildung. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der empirischen Schulsport- und Motorikforschung.
Entwicklung und Stabilisierung einer gesundheitsförderlichen körperlich-sportlichen Aktivität
Körperliche Aktivitäten im Alltag, im Beruf und beim Sport spielen eine wichtige Rolle im Rahmen von Prävention und Gesundheitsförderung. Durch einen bewegungsreichen Lebensstil lässt sich unter anderem das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen reduzieren und das psychische Befinden verbessern. Obwohl das Wissen um diese positiven Gesundheitseffekte weit verbreitet ist, gelingt es vielen Menschen nicht, regelmäßige Bewegung in ihren Alltag zu integrieren. Was sind die Gründe dafür? Und wie kann die Aneignung eines aktiven Lebensstils wirksam unterstützt werden? Zur Beantwortung dieser Fragen wird in dem vorliegenden Band untersucht, wie bestehende Modelle der Verhaltensänderung aus der Gesundheitspsychologie um sportwissenschaftliche Perspektiven erweitert werden können. Hierzu erfolgt zunächst eine umfassende Analyse der Faktoren, die unterstützend bzw. behindernd auf die Aneignung eines körperlich-sportlich aktiven Lebensstils wirken. Diese werden in einem weiteren Schritt den verschiedenen Verhaltensstadien, die im Laufe einer Verhaltensänderung durchlaufen werden, zugeordnet. Anschließend werden die aufgestellten Hypothesen in einer umfassenden empirischen Studie (N = 2082) getestet. Die Besonderheiten der Arbeit liegen insbesondere darin, die emotionalen Faktoren im Verhaltensänderungsprozess von der Inaktivität zur körperlich-sportlichen Aktivität zu berücksichtigen und ihre Bedeutung im Vergleich zu klassischen rationalen Faktoren zu analysieren. Darüber hinaus erfolgt erstmalig eine vergleichende Datenerhebung in Deutschland sowie in China, die Rückschlüsse auf kulturspezifische Besonderheiten bei der Förderung eines aktiven Lebensstils ermöglicht. AutorDr. Helmut Strobl ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth tätig und setzt sich in Forschung und Lehre damit auseinander, wie Bewegung als Maßnahme der Gesundheitsförderung in verschiedenen Settings etabliert werden kann. Durch seine nebenberufliche Tätigkeit als Berater für Betriebliches Gesundheitsmanagement und als Übungsleiter für den Bayerischen Landes-Sportverband sowie Deutschen Alpenverein ist ein ständiger Transfer der gewonnen Erkenntnisse in die Praxis gewährleistet.
Cognitive reference frames of complex movements
This book deals with the cognitive processes necessary for the control of complex human movements. The core aspect of this work is the functional interplay between action representation, action perception, and action control. Four experimental studies are presented here referring to the role of motor expertise for perceiving and anticipating complex movements. Specifically, even unconscious processing mechanisms are investigated. For all studies, the priming paradigm, which is an established paradigm in experimental psychology, is used. This experimental approach has only rarely been used in sport psychology until now. The research presented here thus might give some new insight into the perceptual processing of action-related body postures. AutorinDr. Iris Güldenpenning (1981) studied sport science with the minor subject educational science and economic and social psychology at the University of Göttingen (2000-2005). Afterwards, she did her PhD until 2014 at the University of Bielefeld in the “Neurocognition and Action – Biomechanics” Re-search Group. Since 2014, she works at the Sport Psychology Unit at the University of Paderborn.
Schüler im Sportunterricht
»Was passiert im Sportunterricht?« Diese Frage stellt den Ausgangspunkt der Arbeit dar, die darauf abzielt, über die Alltagspraxis des Sportunterrichts aufzuklären und damit einen Ausschnitt der Schulsportwirklichkeit empirisch zu fundieren. Innerhalb der Alltagspraxis erscheint insbesondere das, was Schüler tagtäglich im Sportunterricht machen, als ein zentraler und bislang nur in Ansätzen verfolgter Forschungsschwerpunkt. Versteht man Schüler als Konstrukteure des Schulsports, die das Geschehen im Sportunterricht wesentlich mitbestimmen, verstärkt sich das Forschungsinteresse.In Anbindung an eine theoretische Rahmenkonzeption für das Forschungsfeld Schulsportforschung und unter dem Blickwinkel einer praxistheoretischen Perspektive werden in der vorliegenden Arbeit einzelne Schülerpraktiken detailliert beschrieben. Hierfür sind umfangreiche Unterrichtsbeobachtungen in Anlehnung an einen ethnographischen Forschungsansatz und anhand der Kodierverfahren der Grounded Theory ausgewertet worden. Im Ergebnis werden fünf Schülerpraktiken im Detail beschrieben und diese auf höherer Abstraktionsebene in den sogenannten Formen der Bezugnahme tiefergehend untersucht. Dabei zeigt sich, dass und wie Schüler in vielfältiger Art und Weise (mit) zur Aufrechterhaltung des Unterrichtsflusses beitragen. AutorinSvenja Kamper (1979) ist Studienrätin für die Fächer Sport und Musik am Ernst-Barlach-Gymnasium in Castrop-Rauxel und Lehrbeauftragte am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Technischen Universität Dortmund. Ihre wissenschaftlichen Arbeitsfelder sind die empirische Unterrichts- und Schülerforschung, deren sportdidaktische Konsequenzen sowie der Kompetenzerwerb in der Sportlehrerausbildung.
Health Promotion in Physical Education
The lack of regular physical activity is one of the major factors that lead to premature death in western industrialised countries. Intervention programmes are needed that promote an active lifestyle already from a young age. This dissertation thesis contributes to the research in the field of health-promotion through physical activity in young people in school that has been shown to be one of the most suitable settings for such interventions.Based on theoretical considerations from the perspective of sport psychology, sport pedagogy, and training science and on the findings of a systematic review gathering all previous evidence of the effects of health-promoting physical activity interventions in school, HealthyPEP, a health-promotion programme in physical education, was designed and evaluated using a quasi-experimental design with 516 sixth grade students. The degree to which the programme was implemented and the intervention effects on a) the psychological determinants of physical activity, b) the behaviour of physical activity, and c) the health and fitness level were analysed. A positive picture immerged concerning the implementation of HealthyPEP and its evaluation especially by girls. These findings are in line with the positive intervention effects of HealthyPEP on girls’ motor performance and the positive developments on girls’ attitudes towards physical activity and knowledge of the health effects of physical activity. Additionally, positive intervention effects were revealed on BMI in both genders. This study confirmed that HealthyPEP improved girls’ health and that further research is needed to develop programmes that are suitable for boys. AutorinYolanda Demetriou (1983) studied sports science, psychology, and pedagogy at the Albert Ludwigs University of Freiburg. Since 2007, she has been working as an academic assistant at the Sports Institute of the Eberhard Karls University of Tübingen. Her current research interests lie in the examination of the effects of physical education on students’ health.
Stressphase Sportreferendariat?!
Das Referendariat gilt gemeinhin als anspruchsvolle, wenn nicht sogar krisenhafte Phase. Während die Darstellungen in den Medien bzw. der pädagogischen Literatur mitunter recht drastisch ausfallen, ist festzustellen, dass die Sportwissenschaft bisher keine empirischen Erkenntnisse zu dieser frühen Phase einer jeden Sportlehrerbiografie hervorgebracht hat. Doch wie erleben angehende Sportlehrkräfte den Einstieg in ihre »Schulkarriere«? Welche Belastungen nehmen sie wahr? Und wie begegnen sie ihnen? Die Bearbeitung dieser Fragen soll helfen, zukünftige Sportlehrkräfte noch besser auf die Anforderungen vorzubereiten, denen sie sich im Referendariat, im Berufseinstieg und darüber hinaus stellen müssen.In dem vorliegenden Band werden die Vorarbeiten, Methodenentscheidungen und Ergebnisse einer qualitativen, explorativen und längsschnittlichen Studie dargestellt, die das Thema erstmals in der Sportwissenschaft empirisch bearbeitet. Einen Schwerpunkt bildet die Darstellung spezifischer Belastungen und ihrer Bewältigung. Ferner werden das Zusammenwirken verschiedener Belastungsbereiche als Gesamtbelastung (mit Bezug zu verschiedenen »Sportreferendarstypen«) und der Umgang mit dem »Belastungskomplex Sportreferendariat« thematisiert. In der Analyse leitet der Autor Handlungsempfehlungen für angehende Sportlehrkräfte ab, die zukünftigen und aktuellen Sportreferendaren den Umgang mit potenziellen Belastungen erleichtern sollen. Der Fokus liegt hierbei auf veränderbaren Ressourcen aufseiten der Referendare. Abschließend werden allerdings auch Vorstellungen der Befragten von »besseren« Ausbildungsangeboten und -strukturen dargelegt, die Akteure der aus-bildenden Instanzen zu individuellen Veränderungen anregen können. AutorJulien Ziert (1981) hat an der Leibniz Universität Hannover die Fächer Englisch und Sport für das Lehramt an Gymnasien studiert. Zum Abschluss des Studiums wurde er dort mit einem Preis für „hervorragende Leistungen im Rahmen der Examensprüfung“ ausgezeichnet. Von 2007-2012 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich „Sport und Erziehung“ des Instituts für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover.
Ziel-Interessen-Divergenzen in freiwilligen Sportorganisationen
Freiwillige Sportorganisationen wie Sportverbände und Sportvereine stellen Interessenorganisationen dar, deren primärer Organisationszweck auf die Vertretung der Interessen ihrer Mitgliedsorganisationen und Mitglieder ausgerichtet ist. Mit dieser Interessenvertretungsfunktion wird eine Rückbindung der Verbands- und Vereinsziele an die Mitgliederinteressen gewährleistet, so dass in Verbänden und Vereinen idealtypisch Ziel-Interessen-Kongruenz bestehen sollte. Die alltäglichen Beobachtungen und Erfahrungen legen jedoch die Vermutung nahe, dass Verbände und Vereine weitaus häufiger von Ziel-Interessen-Divergenzen geprägt sein dürfen. Vor diesem Problemhintergrund stellen sich drei zentrale Fragen, auf die die vorliegende Arbeit Antworten geben möchte: Welche Ziele verfolgen Verbände und Vereine und welche Interessen haben die Organisationsmitglieder? Inwiefern stimmen die Organisationsziele der Verbände und Vereine mit den Interessen ihrer Organisationsmitglieder überein? Und für den Fall, dass Divergenzen bestehen, welche Ursachen sind für Ziel-Interessen-Divergenzen verantwortlich zu machen und welche Auswirkungen ergeben sich daraus? AutorChristoffer Klenk (1977) ist am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern als wissenschaftlicher Assistent tätig.
Vom Wollen und Handeln
Einer beabsichtigten Veränderung gesundheitsrelevanter Verhaltensweisen stehen vielfältige Hindernisse im Wege, konkurrieren diese Verhaltensweisen doch oftmals mit impliziten Bedürfnissen, Vorlieben und Gewohnheiten. Für das Überwinden solcher inneren Widerstände sind Willensprozesse von großer Bedeutung.Ausgehend von der Theorie der willentlichen Handlungssteuerung von Julius Kuhl wurden im Rahmen der Forschungsarbeit zwei Messinstrumente entwickelt und überprüft, welche willentliche Prozesse der Handlungssteuerung verhaltensbezogen (sportliche Aktivität und Ernährung) erfassen. Des Weiteren wird die Relevanz einer effektiven Selbststeuerung für das Gesundheitsverhalten sowie für Verhaltensänderungen herausgearbeitet. Zusammenhänge mit den Konstrukten Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit sowie mit Merkmalen des Aktivitäts- und Ernährungsverhaltens belegen zum einen die Validität des Selbststeue-rungskonstruktes bzw. der Erhebungsinstrumente. Zum anderen verdeutlichen die Befunde die Relevanz einer effektiven Selbststeuerung für die Ausführung gesundheitsrelevanter Verhaltensweisen. Mittels der Instrumente lassen sich Defizite in der individuellen Selbststeuerung aufzeigen und an diesen könnte eine gezielte Förderung der Selbststeuerung ansetzen. Eine optimierte Selbststeuerung könnte gesundheitsprotektives Verhalten unterstützen. AutorinChristina Niermann (1978) ist seit Januar 2011 als akademische Mitarbeiterin im Fachbereich Sportwissenschaft an der Universität Konstanz tätig. Dort befasst sie sich im Rahmen des Forschungsprojektes „EATMOTIVE“ aus gesundheitspsychologischer Perspektive mit dem Einfluss des familiären Kontextes auf das Aktivitäts- und Ernährungsverhalten unter besonderer Berücksichtigung volitionaler und motivationaler Prozesse.
Virtuelles Spiel und realer Sport
Betrachtet man die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, so ist eine äußerst rasante technologische Entwicklung und damit einhergehende Expansion der Medien zu verzeichnen. Insbesondere für digitale Sportspiele ergeben sich durch diese digitale Evolution neue Interaktionsmöglichkeiten, die es im sportwissenschaftlichen Kontext zu erforschen gibt.In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, unter welchen Bedingungen die Auseinandersetzung mit einem digitalen bewegungssensitiven Tischtennisspiel, sowohl einen Einfluss auf die Geschwindigkeit als auch auf die Richtigkeit antizipativer Entscheidungen im Tischtennis hat. Neben dieser ersten Fragestellung, die sich auf die sensomotorische bzw. perzeptive Ebene bezieht, fokussiert die zweite Fragestellung auf die kognitive Ebene. Im Rahmen dieser zweiten Fragestellung soll das Potenzial digitalen Spielens für den Erwerb tischtennisspezifischen Handlungswissens ausgelotet werden. Bezugnehmend auf diese beiden Fragestellungen ist es ein weiteres Anliegen der vorliegenden Arbeit eine differenzierte und reflektierte Diskussion der Bedeutung bewegungssensitiver digitaler Spiele für das menschliche Sich-Bewegen vorzunehmen. AutorJan Sohnsmeyer (1977) ist seit 2005 als wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Bereich Sportpädagogik tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Bewegung, Spiel und Sport unter medienpädagogischer Perspektive, Schulsportunterricht aus Lehrersicht und Sport in der Sozialarbeit.
Verletzungsmanagement im Spitzensport
Schmerzen, Beschwerden und Verletzungen sind ein alltägliches Phänomen im Spitzensport. Bislang ist allerdings nur wenig darüber bekannt, wie Spitzenathleten, Trainer und das medizinische Betreuungspersonal mit auftretenden Schmerzen und Verletzungen, latent vorhandenen Verletzungsgefahren und drohenden Spät- und Folgeschäden umgehen. Es gibt jedoch zahlreiche Hinweise auf höchst problematische Umgangsweisen, die einer Entstehung chronischer Verletzungsverläufe Vorschub leisten, Verletzungsserien provozieren oder gesundheitliche Langzeitschäden zur Folge haben können. Dies zeigt sich zum Beispiel, wenn nach einer Verletzung wieder zu früh mit dem Training begonnen wird, Athleten trotz akuter Beschwerden an Wettkämpfen teilnehmen oder Schmerzmittel zur Aufrechterhaltung des Wettkampfbetriebs eingesetzt werden.Die vorliegende Arbeit setzt sich aus soziologischer Perspektive mit den Möglichkeiten und Grenzen eines systemischen Verletzungsmanagements im Spitzensport auseinander. Neben der Analyse psychosozialer Bedingungen des Umgangs mit Schmerzen und Verletzungen steht dabei die Frage nach typischen verletzungsbezogenen Entscheidungsmechanismen in spitzensportlichen Karriereverläufen im Mittelpunkt. AutorJochen Mayer, Jahrgang 1977, studierte Sportwissenschaft und Geografie in Tübingen. Als studentischer Mitarbeiter in der Abteilung Sportmedizin der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen sammelte er von 1999 bis 2004 bereits während seines Studiums Erfahrungen in biomechanisch-orthopädischen und sporttherapeutischen Forschungsprojekten. Eine intensive Auseinandersetzung mit Verletzungsmustern der unteren Extremität erfolgte im Zuge der Durchführung von Gang- und Laufanalysen zur sportorthopädisch-biomechanischen Funktionsdiagnostik bei Patienten der sportmedizinischen Ambulanz.Seit 2005 ist er am Institut für Sportwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen im Arbeitsbereich Sozial- und Gesundheitswissenschaften des Sports unter der Leitung von Prof. Thiel tätig. Bis 2007 arbeitete er zunächst als Akademischer Mitarbeiter im vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) geförderten Forschungsprojekt „Gesundheitsmanagement im Spitzensport“ unter der Leitung der Professoren Thiel und Digel. Anschließend war er als wissen-schaftlicher Assistent von Prof. Thiel beschäftigt und promovierte 2009 zum Thema „Verletzungsmanagement im Spitzensport“. Jochen Mayer ist seit Oktober 2009 Akademischer Rat am Institut für Sportwissenschaft Tübingen und dabei u. a. verantwortlich für die Koordination des BISp-Projekts „GOAL: Individuelles Gesundheitsmanagement im Nachwuchs-leistungssport“ und die Bachelor und Master Studiengänge Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Gesundheitsförderung. In der Lehre bietet er Seminare zum Ge-sundheitsmanagement, Sportmanagement und zur wissenschaftlichen Projektarbeit an, die durch Veranstaltungen aus der Theorie und Praxis der Sportarten ergänzt werden. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Soziologie und Sozialpsychologie von Gesundheit und Verletzung im (Spitzen-)Sport. Darüber hinaus beschäftigt er sich u. a. mit Fragen des Managements von Sportorganisationen.
Bewegungsmustererkennung anhand des Basketball-Freiwurfes
Im ersten Teil dieses Buches wird dargelegt, wie sich in Konsequenz der 'dynamical systems approaches' ein neues, ganzheitliches Verständnis von Bewegung ergibt, welches eine grundlegend veränderte Fokussierung in der Forschungsmethodik erfordert. Den Untersuchungsgegenstand bilden dabei komplexe Merkmale, wie hier das Bewegungsmuster.Den zweiten Teil des Buches bildet die Dokumentation der Untersuchung. Das Forschungsinteresse ist explorativer Art: 1. Erkundung der Aussagekraft des Bewegungsmusters, insbesondere in Bezug auf die Merkmale von Individualität und Fertigkeitsbeherrschungsgrad (Novizen, Fortgeschrittene & Experten), 2. Evaluation von Analyse-Möglichkeiten des Bewegungsmusters. Es wurden verschiedene qualitative und quantitative Methoden angewandt, deren Ergebnisse schließlich in Einzelfallanalysen trianguliert wurden. Mit einer speziellen Form künstlicher neuronaler Netze war es möglich ein komplexes Merkmal aus den Gelenkwinkelmaßen der kinematischen Kette zu berechnen.Die Ergebnisse liefern eine Reihe neuer, interessanter Erkenntnisse, sowohl über individualisierte Funktionalität der Basketball-Freiwurfbewegung, als auch grundsätzlich über das menschliche Sich-Bewegen und dessen wissenschaftliche Untersuchung. AutorinAndrea Schmidt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln. Mit der vorliegenden Arbeit promovierte Sie 2009 an der Universität Bremen.
Emotionen im Kontext sportbezogener Marketing-Events
Die Veranstaltung sportbezogener Events gehört seit geraumer Zeit zu den wohl wichtigsten Instrumenten der Vermarktung von Produkten in bestimmten Branchen. Dabei spielen vor allem kollektive Emotionalitäten – also emotionale Zustände, die von ganzen Gruppen geteilt werden und die sich als eine Art kollektives Gemeinschaftserleben aggregieren – eine bedeutende Rolle wenn es darum geht, potentiellen Kunden Produkte möglichst erlebnisorientiert zu vermitteln. Die Studie setzt sich deshalb mit der Frage auseinander, wie im Kontext sportbezogener Marketing-Events kollektive Emotionen entstehen und welche sozialen Prozesse und Mechanismen damit einhergehen. Darüber hinaus sind auch die Möglichkeiten der Steuerbarkeit emotionaler Prozesse von Seiten des Eventmanagements zu beleuchten. Zur Beantwortung dieser Fragestellung wird ein systemtheoretischer Modellansatz zur Erklärung von kollektiven Emotionen entworfen. Die Kollektivierung von Emotionalität lässt sich dabei als rekursiver und dynamischer Prozess begreifen, in welchem Teilnehmer und Marketing-Event aneinander gekoppelt sind. Das komplexe Emotionsmodell wird anschließend in einzelne Teilfragestellungen transformiert, zudem wird ein spezifisches Untersuchungsdesign entwickelt. Dieses bildet die Grundlage, um den spezifischen Bedingungen kollektiver Emotionen im Rahmen der Fallstudie "Red Bull District Ride 2006" auch empirisch nachgehen zu können. AutorTorsten Schlesinger promovierte 2008 mit dieser Arbeit an der Technischen Universität Chemnitz und ist ab 2009 an der Universität Bern (Schweiz) tätig.